Andrea Dee/Gottfried Distl







ANDREA DEE/GOTTFRIED DISTL | 1982 |
STERNENSTAUB | 1/Heut’ ist Silvester | 2/Fang-Klang |


MUSIKKASSETTE
STERNENSTAUB:
Andrea Dee, Gottfried Distl, Andreas Dvorak, Ilse FF, Kurt Hlavacek, Ernst Muck, Josef Pinter



ANDREA DEE/GOTTFRIED DISTL | 1983 |
MULTIVISION |


TON-DIA-SCHAU

© Distl/Dee

MULTIVISIONSBEITRAG 1983



ANDREA DEE/GOTTFRIED DISTL | 1984 |
TERRA |


MULTIVISIONSBEITRAG

Katalogfoto | © Dee/Distl

SCIENCE & FICTION-ARTPLAY

TERRA:
Erde – Kosmos – Klinik Seele – Seuche – Körper Maske – Innen – Außen Zeichen – Leere.
Eine utopisch-metaphysische Spekulation über Verlust und Deformation der Individualität des modernen Massenmenschen.










ANDREA DEE/GOTTFRIED DISTL | 1987 |
LIVE IN THE CITY 1 |


SPOTENVIRONMENT

Installationsansicht | © Foto: Margherita Spiluttini

Text, Video, Computergrafik, Stahl, Aluminium, Blei, Acryl, Krisenproduktion 1987

»Kommen Sie«, rief ich. »Sie zahlen 2 Mark und Sie sehen Bert und Püppi, einen Mann und eine Frau, ficken und bumsen. Kommen Sie, wagen Sie es.« / Vögel erschienen im Plan der Evolution vor cirka 140 Millionen Jahren. Taubenvögel entwickelten sich erst in der jüngsten geologischen Epoche. Die Besiedelung unserer Städte durch die Felsentaube erfolgte in der Antike: die Vögel verließen ihre angestammten Brutplätze in den Klippen am Meer und begannen in den heiligen Stätten an der Küste zu nisten. / Und wenn Bhagwan sogar die Schmach des Häftlingsdaseins auf sich nimmt, dachte ich, dann werde ich es doch noch ertragen können, vor der Tür einer Peep-Show herumzustehen. / Bis heute ist die Taube Symbol für das Göttliche, den Frieden, den Heiligen Geist. Und bis heute stellt sie eine Verbindung der städtischen Zivilisation zur Natur dar. / In der Küche lag ein großes Brotmesser. Der Arm leuchtete wie der Halleysche Komet. Ich riß das violette Oberteil vom Körper und stach ins Fleisch. Der Tätowiermeister gegenüber ließ sich dadurch nicht stören. / »Ratten mit Flügeln« nennt eine Metapher die Stadttauben. Tatsächlich haben sich diese Vögel dem Leben im städtischen Raum weitgehend angepaßt: der hohen Sterblichkeitsrate durch Straßenverkehr und Umweltgifte begegnen sie mit besonders häufiger, an keine Paarungszeiten gebundener Vermehrung. / Und dann überkam mich eine große Ehrfurcht. Die Allgewalt des Erleuchteten heulte mit dem Sturm über die Reeperbahn. Ich begann zu sehen und zu verstehen. Sattrote und blauweiße Farbwelten schillerten über der Stadt. / Omne animal triste post coitum. Jedes Tier ist nach dem Geschlechtsakt traurig. Vielleicht regt sich in ihm, wie im Menschen, eine uralte Sehnsucht nach der vollkommenen ewigen Vereinigung, nach dem völligen Verschmelzen der Geschlechter, wie es vor Jahrmillionen den Einzellern im Urmeer gegeben war. Vielleicht betrübt die Tiere aber auch das Wissen um die Vergeblichkeit ihres Tuns. Vielleicht ahnen sie, daß sie, so sehr sie sich auch abmühen mögen, ein Tier an Fruchtbarkeit nie werden einholen können.

Aus: »Junge Szene ’87. Multimediale Kunst«. [Hg.] Wiener Secession, 1987

Wir danken dem Ă–sterreichischen Kulturservice fĂĽr seine UnterstĂĽtzung.



ANDREA DEE/GOTTFRIED DISTL | 2007 |
PERSONALE | Experimentalfilm – Musik – Lesung |



Ausstellungsansicht | © Dee/Distl

Im Rahmen der Ausstellung:
1.X-tended
Von Menschen, Maschinen, Avataren und anderen interessanten Rechenoperationen
Medienkunst aus Österreich. Eine Ausstellungsserie »in progress«.
NR 1/07
Sonntag, 21. Oktober bis Sonntag, 28. Oktober 2007
DEE/DISTL – Video online

Experimentalfilme 1981–1984 (Screening) – 5 Kurz- und 2 Langfilme, 76 Minuten
Audio – DISTL-DEE & Sternenstaub 1981–1983
Lesung – Andrea Dee liest aus ihrer Kurzgeschichten-Sammlung »Nichts Gutes – Wo Freddy abhängt und andere Storys« den Text »Das absolute Gehör« und Gottfried Distl liest aus seiner Pop-Art-Novelle »Star Odyssee«.








Andrea Dee/Gottfried Distl    BIOGRAFISCHE DATEN

DISTL-DEE-HISTORY
Andrea Dee und Gottfried Distl gründeten 1980 – inspiriert von der Geniale-Dilettanten-Punk-Philosophie und in der Tradition von Andy Warhols Factory – das alternative Multimedia-Artstudio und Independent-Label »Krisenproduktion« in Wien.
1981 veröffentlichten sie als »Rassemenschen Helfen Armen Menschen« die Single »Ich kann es nicht erklären/Alles ist mir recht«, 1982 die zweite Rassemenschen-Single »Die Ballade von der Peripherie/Ist es nicht ein Wunder«. Daneben drehten sie gemäß dem Motto der Do-It-Yourself-Alternative-Szene »Alle Macht der Super 8« Super 8-Filme: kurze Art-Music-Clips (»Das moderne Gefühl«, »Speed & Sign«, »Space Moves On« etc.) – und mit Wiener Punks die Super 8-Spielfilme »Die Chance«, »Grundlos« und »Beat – A Bebop Fantasy«.
Danach gründeten sie 1982 mit den Musikern Ilse FF (bass), Kurt Hlavacek (git), Ernst Muck (sax), Andreas Dvorak (sax) und Josef Pinter (dr) die New Wave-Swing-Band »Sternenstaub«, mit der sie »zwischen Nostalgie und Futurismus den Originalton der Nachkriegszeit mit aktueller Vorkriegsmusik« verbanden.
Auf dem 1982 erschienenen Austro-Sampler »Körperteile Teilkörper« waren Sternenstaub mit einer Swing-Version von »Ich kann es nicht erklären« vertreten.
Im selben Jahr produzierte der Wiener Elektronik-Musik-Pionier ZYX mit Sternenstaub die Electro-Pop-Wave-Tracks »Heut’ ist Silvester« und »Fang Klang«.
1983 erschien die Sternenstaub-Single »Swing Swing (Ring-A-Ding-Ding-Dong)/Das moderne Gefühl«, und Gottfried Distl veröffentlichte mit seiner Rock-Band die Songs »Johnny Texas« und »Ich Playboy«.
1987 erschien Gottfried Distls erster Roman »Europa den Afrikanern«, 1989 sein zweiter: »Schneemann Golem«.

Heute leiten sie gemeinsam die Redaktion der 14-tägig in Wien erscheinenden Kino- & Entertainment-Zeitschrift »M magazine«.

Alle Songs von Andrea Dee & Gottfried Distl sind jetzt auf Itunes und anderen digitalen Download-Portalen erhältlich!



ANDREA DEE
Lebt als Journalistin in Wien.

Ab 1977 multimediale Kunstproduktion
1977 Plakatserie «Alternative Sodomie«

Kurzfilme etc. Buchveröffentlichungen u.a.:
1994 »Eine vergessene Leidenschaft – Von Tauben und Menschen«
1996 »Bruder Bär- Mythos und Wirklichkeit«
1997 »Ins Wirtshaus- Von Gästen Wirten, Stammtischrunden« (mit Conrad Seidl, 1997)
1999 »Müssen Frauen Mütter sein – Die neue Kinderlosigkeit«
2001 Drehbuch und wiss. Beratung der UNIVERSUM-TV-Doku »Der Zauber der Taube«

Seit 1991 wöchentliche Kolumne zum Thema Natur im Standard. Leitung der Österreich-Redaktion von Eltern, Co-Chefredaktion des Kinomagazins SKIP.


GOTTFRIED DISTL
Ab 1970 experimentelle Texte & Aktionspoesie, Veröffentlichungen in Otto Breichas Protokollen.

1980–1983 Krisenproduktion (mit Andrea Dee): Sounds & Visions.
1987 Europa den Afrikanern (Roman)
1989 Schneemann Golem (Roman)
Seit 1989 Chefredakteur des Kinomagazins SKIP und der Pop-Illustrierten Ă–3 Magazin.

Seit 1980 im Rahmen der KRISENPRODUKTION Schallplatten, Filme, Text- und Bildpublikationen.
Dia-Shows fĂĽr die Wiener Festwochen 1983 und 1984.

AUSSTELLUNGEN/PROJEKTE [AUSWAHL]
1987 Junge Szene Wien ’87, Multimediale Kunst. Wiener secession, Wien
1986 ARS ELECTRONICA
Dialog – ein Bildschirmtext-Projekt. Terminal Kunst – 2. Ausstellungsabschnitt. Kunst-Btx
Die Gruppe Blix führt seit April 1983 verschiedene Telekommunikationsprojekte durch. Da wurden unterschiedliche technische Medien benützt. Die Fernübertragung von optischen und akustischen Arbeiten erfolgte über Telefonleitungen, Amateurfunksatelliten sowie Telekopierer. Als Blix vom Österreichischen Kulturservice für ein Bildschirmtext-Projekt herangezogen wurde, in dessen Rahmen die interaktiven Möglichkeiten des Mupid-Btx-Terminalcomputers als Teil der bildnerischen Erziehung erprobt werden sollten, entstand die Idee zum Btx-Magazin »Kunst-Btx«.
Kunst-Btx wird seit August 1985 im Bildschirmtextsystem der Österreichischen Post angeboten. Nach zwei Versuchsausgaben im Herbst 1985 erscheint Kunst-Btx seit Februar 1986 regelmäßig als Monatsmagazin. Jede Ausgabe enthält Kunstnachrichten, Rezensionen, Nachrichten allgemeiner Art, theoretische Texte zum Thema »Kunst und Technologie« sowie Origirialkunstwerke, die von verschiedenen Künstlern eigens für das Medium Bildschirmtext erstellt werden.
Die Kunst-Btx-Redaktion (Zelko Wiener – Blix-Mitglied und bildender Künstler; Robert Adrian X – Blix-Mitglied und bildender Künstler; Andrea Dee – Medienkünstlerin; Gottfried Distl – Schriftsteller und Medienkünstler) plant für »TERMINAL KUNST« eine Sonderausgabe von Kunst-Btx, die in das übergeordnete Bildschirmtext-Projekt »Dialog« eingebunden sein soll. »Dialog« ist der Versuch zur Schaffung eines elektronisch-visuellen Zwiegesprächs der Besucher der Ars Electronica mit den 3000 Btx-Teilnehmern in ganz Österreich.
Am 1. Juni 1986 wurde die Leitseite eröffnet. Sie beinhaltet die Erklärung des Projektes, Vorausinformationen und Programmhinweise auf Veranstaltungen der Ars Electronica. Der Dialog beginnt. Im Labor für Telekommunikation, das sich im oberen Foyer des Brucknerhauses befindet, wird ein Redaktionsterminal und ein »Offener Terminal« installiert. Am Redaktionsterminal werden vom anwesenden Redakteur während der gesamten Dauer der Ars Electronica täglich aktuelle Berichte über das Veranstaltungsgeschehen erstellt und ins Btx-Netz eingegeben. Daneben werden auch jene vorbereiteten Beiträge der Btx-Kunstedition gezeigt, die von fünf Künstlern für die Ars Electronica gestaltet wurden: Helmut Mark, Peter Kogler, Gudrun Bielz, Ruth Schnell, Liesl Ponger.
Der »Redaktionsterminal« wird vormittags betrieben. Der Textredakteur schreibt die Berichte über Veranstaltungen des Vortages, beantwortet und schreibt neue Mitteilungen anderer Btx-Teilnehmer, speichert jeweils einen der fünf Beiträge der Kunstedition.
Der »Offene Terminal« wird nachmittags an der Arbeitsstation betrieben. Mit Hilfe des Grafiktabletts werden von den Besuchern eigene Seiten erstellt. Fertige Seiten können ebenfalls ins Btx-Netz eingespeist werden.
1985
Kunst BTX (Art-Videotext)*, an experimental Video-Text art magazine by BLIX. In summer 1985 the Ă–PT (Austrian Post) introduced Video-Text using the new CEPT-2 norm -a system that was capable of 4096 colours and vector graphics. The Ă–PT also provided subscribers with a computer (MUPID) and editing software. Zelko Wiener researched and developed the Kunst-BTX prototype for BLIX. The editorial team included Robert Adrian X, Andrea Dee, Gottfried Distel, Helmut Mark and Zelko Wiener. The project was funded by the Ă–sterreichische Kulturservice.
Kunst BTX included an on-line comic strip »Der Auftrag« by R.Adrian and Gottfried Distel.
1984
Ausstellung »Kunst und Massenmedien«, Palais Palffy
KunstFunk (Artradio)*, a 1 week slow-scan TV project using ham (amateur) radio organised by Blix for the Vienna Festival. The radio equipment was installed in upper rooms in the Vienna Secession and the antennas were mounted on the roof. Short wave was used for local (Europe, Middle East, North Africa) and VHF to a local »ham« for retransmission via satellite (Oscar1) to Pittsburgh. Each day a different artist or group presented a work in the Secession for sstv transmission. The artists included Robert Adrian, Distel/Dee, Klaus Karlbauer, Helmut Mark, Rainald Schumacher and Zelko Wiener.
Concept: BLIX
Project organisation: Zelko Wiener
Program organisation: Helmut Mark
Technical (radio) organisation: Gerhard Taschler